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Die Situation der Schmetterlinge inWuppertal

 

Wo sind die Schmetterlinge geblieben?

 

Mitglieder des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal haben im Jahr 2009 die Daten der Schmetterlingsbeobachtungen in unserem Naturraum in den letzten 150 Jahren ausgewertet. Demnach sind ca. 20 % der Nachtfalterarten und ca. 30 % der Tagfalterarten mittlerweile verschwunden. Auch die Häufigkeit der verbliebenen Arten hat deutlich abgenommen.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass sich die Landschaft in den vergangen 150 Jahren dramatisch verändert hat. Das Bergische Land galt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als praktisch waldfrei. Die Landschaft war durch klein parzellierte Agrarflächen, Hecken, Buschwerk und Heiden geprägt, eine „künstliche“ Düngung durch die modernen Mineraldünger gab es nicht und die wenigen Waldflächen wurden teilweise als „Hauwälder“ (Niederwald) bewirtschaftet. Die Privatgärten waren zur Selbstversorgung angelegt. Dort fand man vorwiegend Streuobstwiesen, Stachelbeer- und Johannisbeersträucher sowie Gemüsebeete.

Die entscheidenden Prozesse, die zu dem Artensterben unter den Schmetterlingen geführt haben, sind in den 1950er und 1960er Jahren angestoßen worden. Durch die damals begonnene „Flurbereinigung“ sollte der Ertrag der Agrarflächen in den Nachkriegsjahren deutlich gesteigert werden. Die Felder sollten durch Maschinen zu bearbeiten sein, daher wurden Parzellen zusammen gefasst und die Feldgehölze entfernt. Die systematische Einführung der Mineraldüngung und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führte ebenfalls zu einer Erhöhung des Ertrags. Auch in der Waldwirtschaft wurde auf eine Ertragssteigerung gesetzt: So herrschen heute hochstämmige Wälder, oft in Monokultur einer Baumart, vor. Da es insbesondere in den Fichten- und Buchenmonokulturen am Boden sehr dunkel ist, haben diese Wälder oft nur einen geringen Unterwuchs durch Büsche und Kräuter. Zudem sind inzwischen 30 % der Gesamtfläche von Wuppertal, Solingen und Remscheid durch Bebauung und Infrastruktur versiegelt.

Warum haben diese Landschaftsveränderungen den Schmetterlingen geschadet? Dazu muss man wissen, dass Schmetterlinge als Raupen oft an bestimmte Pflanzen gebunden sind, sie fressen also nicht (wie die „Raupe Nimmersatt“), alles Mögliche. Viele Schmetterlingsarten benötigen sogar eine ganz bestimmte Pflanzenart als Nahrungsquelle für die Raupen. Ist die Pflanze nicht mehr da, ist auch der Falter verschwunden. Gerade an den früher reichlich vorhandenen Heckengehölzen fanden sich zahlreiche Schmetterlingsraupen. Z.B. leben über 200 Schmetterlingsarten als Raupe an Weide. Auch Weißdorn, Hasel, Hainbuche, Buche, Schlehe, Obstbäume und Beerensträucher wie Johannisbeere sind begehrte Raupenfutterpflanzen. Ein weiteres Problem stellt die Verarmung an Blütenpflanzen im Sommer dar. Früher fand man an den Wegrändern Margeriten, Witwenblumen, Disteln und Flockenblumen. Diese Blütenpflanzen sind wichtige Nektarquellen für die Schmetterlinge. Der hohe Düngereintrag zur Ertragssteigerung führt zu einem übermäßigen Graswuchs. Die Gräser nehmen den Blütenpflanzen letztlich das Licht, so dass sie verschwinden. Auch das regelmäßige Mähen von Wiesenflächen und Straßenrändern hat zu dieser sehr negativen Entwicklung beigetragen.