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Durch die Rheinwiesen bei Uedesheim

Unter der Leitung von Heide Stieb trafen sich am 15.5.2010 24 Teilnehmer zu einer botanischen Halbtagsexkursion. Ziel waren die Rheinwiesen bei Uedesheim.

Der Uedesheimer Rheinbogen ist seit 1987 NSG und seit 2003 FFH-Gebiet. Die Deichflora selbst und die Umgebung der Deiche  ist den artenreichen Glatthaferwiesen zuzuordnen, die stellenweise in Halbtrockenrasen übergehen. Am Rheinufer hat sich ein Weichholzauenstreifen gebildet.

1994 wurde der Deich erhöht und verstärkt. Durch die Baumaßnahmen wurde zunächst die Pflanzenwelt er Deiche in Mitleidenschaft gezogen. Inzwischen hat sich wieder eine artenreiche Wiesenflora eingefunden. Keimzelle der Artenvielfalt war ein Deichstück, das nicht saniert, sondern unverändert als flächenhaftes Naturdenkmal erhalten wurde.

Zu Beginn der Exkursion unmittelbar hinter dem Deichtor wurden folgende Arten zwischen dem steilen Deich und dem Rheinufer beobachtet:

Anthriscus sylvestrisWiesen-KerbelPotentilla neumannianaFrühlings-Fingerkraut
Arrhenaterum elatiusGlatthaferRanunculus acrisScharfer Hahnenfuß
Campanula rotundifoliaRundblättrige GlockenblumeRanunculus bulbosusKnolliger Hahnenfuß
Centaurea scabiosaSkabiosen-FlockenblumeSalvia pratensisWiesen-Salbei
Cerastium arvenseAcker-HornkrautSanguisorba minorKleiner Wiesenknopf
Cruciata laevipesKreuz-LabkrautSilene latifolia ssp. albaWeiße Lichtnelke
Dactylis glomerataKnäuelgrasTragopogon pratensisÖstlicher Wiesen-Bocksbart
Galium albumWiesen-Labkraut (noch nicht blühend)Trifolium campestreFeld-Klee
Heracleum mantegazzianumRiesen-BärenklauTrifolium pratenseRot-Klee
Heracleum sphondyliumWiesen-BärenklauVeronica teucriumGroßer Ehrenpreis
Holcus lanatusWolliges HoniggrasVicia hirsutaRauhaarige Wicke
Leucanthemum vulgareWucherblume  

Auf der Rheinuferseite fallen besonders auf:

Anchusa officinalisGewöhnliche Ochsenzunge
Armoracia rusticanaMeerrettich  (üppig weißblühend)
Rorippa austriacaÖsterreichische  Sumpfkresse (Besonderes Kennzeichen: Blätter geöhrt)

 

In einem Silberweidenbestand nahe der Fährrampe hat sich ein Bestand der Breitblättrigen Kresse Lepidium latifolium gebildet. Die Breitblättrige Kresse ist ein Neubürger der einheimischen Flora mit ausbreitender Tendenz. Dies ist auf unterirdische Ausläufer zurückzuführen. Geschwächt werden manche Pflanzen durch einen Vollschmarotzer, die Nesselseide Cuscuta europaea.

Die vorherrschende Farbe der Wiesen zwischen Deich und Rhein ist gelb mit weißen Tupfern:

Ranunculus acrisScharfer HahnenfußBellis perennis
Gänseblümchen
Ranunculus bulbosusKnolliger HahnenfußOrnithogalum umbellatumDoldiger Milchstern
Ranunculus repensKriechender Hahnenfuß  

 

Dazu niedrig und blau:

Veronica chamaedrysGamander-Ehenpreis

 

Auf der westlichen Seite des Deiches sind völlig andere Farben zu beobachten (die meisten Arten waren allerdings wegen des kalten Wetters kaum aufgeblüht):

Centaurea scabiosaSkabiosen-FlockenblumeRumex thyrsiflorusStraußblütiger Ampfer
Leucanthemum vulgareWucherblumeSalvia pratensisWiesen-Salbei
Lotus corniculatusHornkleeSymphytum officinaleBeinwell
Plantago lanceolataSpitz-WegerichVicia sepiumZaunwicke

 

Auf dem Trampelpfad der Deichkrone wurden u.a. notiert:

Bromus hordeaceusWeiche TrespePlantago majorBreit-Wegerich

 

Auf dem eingangs erwähnten „alten“, etwas niedrigeren Deich nimmt die Artenzahl nochmals zu. Zu den bereits erwähnten Wiesenarten gesellen sich - zum Teil in hoher Individuenzahl – u.a.:

Briza mediaZittergrasKnautia arvensisAcker-Witwenblume
Campanula rapunculusRapunzel-GlockenblumeRhinanthus alectorolophusZottiger Klappertopf
Centaurea jaceaWiesen-FlockenblumeSaxifraga granulataKnöllchen-Steinbrech
Galium verumEchtes LabkrautSecurigera (Coronilla) variaBunte Kronwicke
Geranium pratenseWiesen-StorchschnabelThalictrum minus ssp. minusKleine Wiesenraute

 

Im weiteren Verlauf  der Wanderung konnten u.a. folgende bemerkenswerte Arten erklärt werden:

Euphorbia cyparissiasZypressen-WolfsmilchBunias orientalisMorgenländische Zackenschote
Ajuga reptansKriechender GünselPrimula verisWiesen-Schlüsselblume (durch das kalte Wetter letzte Nachblüher!)
Ulmus minorFeld-Ulme  

    

Die Vorschriften des Wasserwerks haben zur Folge, dass die Wiesen ungedüngt bleiben. Man hat in den letzten Jahren die ungedüngten Flächen im NSG ständig erweitern können, auch wurden Ackerflächen in Grünland umgewandelt. Diese Maßnahmen wirken sich positiv auf die Artenzahl und damit auf die Biodiversität  aus. Zuständig ist die Biologische Station in Knechtsteden.

Vor dem Rückweg gab es noch einige besondere Höhepunkte am Wegesrand:

Eryngium campestreFeld-MannstreuAristolochia clematitisAufrechte Osterluzei
Equisetum x mooreiMoores Schachtelhalm (selten im Rheintal!)Orobanche caryophyllaceaLabkraut-Sommerwurz
Asparagus officinalisSpargel  

 

Die Sommerwurz war sozusagen die “Wendemarke”. Anschließend ging es den gleichen Weg zurück – mit einem Abstecher zum Querdeich zwischen dem alten und dem neuen Deich und den folgenden Arten:

Sambucus ebulusAttichSanguisorba officinalisGroßer Wiesenknopf

 

Zum Großen Wiesenknopf gibt es noch eine nichtbotanische Information. 2007 hat man in diesem Bereich des NSG ein Wiederansiedlungsprojekt für die FFH-Art Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling gestartet. Dieser Falter benötigt die Blüten des Großen Wiesenknopfes im Juli/August zur Eiablage und die Rote Knoten-Ameise zur Brutpflege. Beides war vorhanden, nur der Falter war ausgestorben. Deshalb wurden die Schmetterlinge von ausreichend großen Vorkommen im Westerwald umgesiedelt. Geeignete Pflegemaßnahmen wie Mähzeitpunkt usw. gehören zum Projekt. Erste Erfolge waren 2008 zu beobachten.

 

Literatur:

DÜLL, R. & H. KUTZELNIGG (1992): Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch. 4. Aufl. Quelle & Meyer Verlag Stuttgart

HAEUPLER, H. & T. MUER (2000): Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer Verlag Stuttgart.

HAEUPLER, H., A. JAGEL & W. SCHUMACHER (2003): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Nordrhein-Westfalen. Landesanstalt für Ökologie , Bodenordnung und Forsten NRW Recklinghausen.

Infotafel des NSG

KREIS NEUSS (Hrsg.) (1995): Natur und Landschaft im Kreis Neuss. Rheinland Verlag Köln

ROTHMALER; W. (2000): Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 3. 10. Aufl. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg-Berlin

STEVENS, M. et al. (2008) : Die Rückkehr des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Natur in NRW 4/08, S. 37 ff.

 

Deich Uedesheim Veronica teucrium Anchusa officinalis

Cuscuta europaea Saxifraga granutata Aristolochia clematitis Orobanche caryophyllacea 

Rhinanthus Sanguisorba minor und officinalis