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Der Tsunami von Lindlar

Peter Giesen führte am 15.9.2012 eine Exkursion in die Steinbrüche von Lindlar und demonstrierte die Devonflora.
Der Tsunami von Lindlar
Am 15.9.2012 trafen sich 22 paläobotanisch interessierte Mitglieder und Gäste im Steinbruch Schiffahrt in Lindlar. Peter Giesen, der Leiter der Exkursion, ist einer der weltweit führenden Forscher auf dem Gebiet der Devonflora. Er erklärte zunächst an Hand von Schautafeln die besondere geologische Situation des Steinbruchs von Lindlar. Er erwähnte die Verdienste des führenden Bonner Paläobotanikers Prof. Dr. Hans Joachim Schweitzer (†), der als erster die Bedeutung Lindlars für die Devonflora-Erforschung erkannt und eine Rekonstruktion der mitteldevonischen Flora von Lindlar erstellt hatte. Giesen konnte innerhalb der Grauwackebänke die fossilführende Schicht zeigen. Die Teilnehmer konnten „hautnah“ die freigelegten Fossilien, besonders ein vollständig erhaltenes Exemplar von Weylandia rhenana, bewundern. In diesem Fossilhorizont fanden sich auch farnähnliche Strukturen von dieser Pflanze und Giesen berichtete stolz, dass mit diesem Fund das Alter farnlaubiger Pflanzen  von rund 387 auf 395 Mio Jahre vorverlegt werden konnte, mithin 8 Mio Jahre älter! Hier im Steinbruch spielte auch die Geschichte der Umkombination von  Duisbergia mirabilis zu Calamophyton primaevum (siehe auch den Artikel auf der homepage „Die Lindlar-Story“).
Giesen beschrieb die Fundsituation von Lindlar als urzeitlichen „Tsunami“, da unter anderem sowohl marine als auch terrestrische Flora und Fauna im gleichen Fundhorizont auftauchen. Er revidierte an Hand der gehäuften Funde die Vorstellungen Schweitzers, der nur  einige wenige Calamophyton /Duisbergia -Pflanzen in das Landschaftsmodell gestellt hatte. Giesen sprach an Hand der Funde von einem regelrechten Calamophyton – „Wald“.
Ein großer Block im Werksgelände, der ein langes Bruchstück eines Calamophyton- Stamms  enthielt, harrte noch der endgültigen Präparation.
Nach der Mittagspause auf dem Parkplatz des BGS-Steinbruchs Lindlar besuchten die Teilnehmer diesen Steinbruch, der wesentlich größer dimensioniert ist.
Auch in diesem Steinbruch liegt zwischen den kompakten Grauwackeschichten der fossilführende Horizont. Giesen demonstrierte an einem großen Block die Arbeit des erfolgreichen Paläobotanikers: Er spaltete mit einem Keil eine große Platte – und legte etliche noch dreidimensional im Gestein liegende Äste einer Hyenia-Pflanze frei! Für den Betrachter war diese unvermittelte Berührung mit der Vorzeit wie eine Geburt!
Dann führte Giesen die Teilnehmer, die sich auch selbst als Hobby-Paläontologen betätigen durften, zu einer bereits freigelegten und unter einer Plane gesicherten Hyenia-Pflanze, in deren unmittelbarer Nachbarschaft ein Calamophyton-Stamm lag. Neben diesen großen und seltenen Pflanzen wurde ein Urbärlapp Leclercqia und die auch in Wuppertal vorkommende Art Thursophyton elberfeldense entdeckt.
Alle Teilnehmer waren sich einig, an einer Sternstunde der Paläobotanik teilgenommen zu haben,  der Dank aller an den Exkursionsleiter Peter Giesen wurde mit dem Wunsch verbunden, ein solches Erlebnis zu wiederholen.
Wolf Stieglitz